A.J.Triskel

Geschichten aus der BDSM-Welt

Was ist BDSM?


Die Frage präzise zu beantworten, wäre etwa so umfangreich, wie zu erklären, was Sport ist, ohne eine der vielen Sportarten zu vergessen. Trotzdem wage ich mal den Versuch!  
Da alle Rollen von allen Geschlechtern ausgefüllt werden können, versuche ich mich so neutral wie möglich auszudrücken.


Wer den Begriff BDSM hört, denkt als Außenstehender sofort an Peitschen, Ketten, Dominas und Leute die geschlagen und gequält werden, doch hat dieses wenig mit BDSM zu tun, sondern mit SM.


Was ist da der Unterschied?    
SM kann, muss aber nicht Teil von BDSM sein.
Es sind zwei Fetische (Sadismus und Masochismus) die sich gegenseitig ergänzen und leichter zu erklären als zu verstehen sind. Wer keine der beiden Neigungen hat, wird schnell mit Unverständnis reagieren. Gerne wird hier das Wort pervers in seiner negativsten Form benutzt.


Genauso treffen beim BDSM zwei Fetische (Dominanz und Devotheit) aufeinander und ergänzen sich. Ob es sich also um SM oder BDSM handelt, entscheidet die Neigung (Masochismus und Sadismus = SM + Devotheit und Dominanz = BDSM). Alle drei Kombinationen sind dabei möglich. Reiner SM, reiner BDSM oder beides gemischt. Irrtümer entstehen dadurch, dass oft zwei oder mehr Fetische gleichzeitig bedient werden.

BDSM ist ein Akronym. B = Bondage/Fesseln; D = Disziplin und Dominanz; S = Submissivität und Sadismus; M = Masochismus.
Man darf aber nicht den Fehler machen zu glauben, nur weil Fesseln im Spiel sind, ist man beim BDSM. Auch beim SM ist es nicht ungewöhnlich, mit Fesseln zu arbeiten, nur dienen sie hier alleine dem Wehrlosmachen des Passiven (Masochisten), ist also Mittel zum Zweck.    Während im BDSM das Fesseln und gefesselt werden schon ein eigenständiger Fetisch ist (Rigger + Ropebunny). Dabei muss gar keine sexuelle Handlung stattfinden. Der Fetisch hierbei ist erst einmal das Machtgefühl des Rigger und das Ausgeliefertsein des Bunny, die beide erregen. Natürlich wird dann oft diese Session fortgeführt, in der es zu S/M oder sexuellen Handlungen kommt.


Wie erklärt man nun also einer außenstehenden Person BDSM/SM, damit sie es zumindest ansatzweise versteht?  

BDSM spielt sich mehr im Kopf als im Bett ab. Man kann sich BDSM als Rollenspiel vorstellen, in dem es vordergründig darum geht, sexuelle Neigungen/Fetische auszuleben. Wie ernst man diese auslebt, entscheiden die Partner selber. Es kann sich alleine auf den sexuellen Bereich beschränken und außerhalb des Schlafzimmers führen die beiden Partner eine normale Beziehung. Es kann aber auch weiter in den Alltag gehen und bis zur völligen Unterwerfung des submissiven Teils in einer 24/7 TPE (Total Power Exchange = dauerhafter Machtaustausch/Machtübergabe) führen.
Auch kann es von lockerem Spiel bis zur Annahme einer Lebenseinstellung gehen, wo sich beide dauerhaft festen Regeln unterwerfen. Was man jedoch dabei nie übersehen darf, ist, alles geschieht einvernehmlich zwischen erwachsenen Menschen. Eine(r) wird nur solange Sklave von jemandem sein, wie es dessen Wille ist, sein Sklave sein zu wollen. Beim BDSM unterwirft sich der submissive Partner aus freiem Willen und gibt erst dadurch jemandem die Dominanz über sich.
Kompliziert machen es Switcher, die beide Rollen ausleben, teilweise sogar innerhalb einer Session.


Warum unterwirft sich eine Person einer anderen oder liefert sich ihr aus?  

Ist sie masochistisch veranlagt, ist der Beweggrund Schmerzen zu empfangen, die sie dann in sexuelle Erregung verwandelt. Das hört sich für jemanden, der dieses Erlebnis noch nie hatte, erst einmal unverständlich an. Am ehesten können das Ausdauerathleten nachempfinden, die im Verlauf ihrer Disziplin einen Punkt erreichen, an dem der Körper an seine Grenzen gelangt und dadurch Glückshormone ausstößt. Joggerorgasmus ist ein Begriff, den sie vielleicht schon einmal gehört haben.


Ist die Person devot veranlagt, ist es vielschichtiger. Doch der Hauptgrund ist immer sich durch Abgeben der Verantwortung so weit zu befreien, dass man sich in seiner Erregung fallen lassen kann.    


Was viele jetzt überraschen wird, ist: Dies ist keine Neigung, die Frau exklusiv hat. Der Anteil devoter Männer und Frauen ist etwa gleich hoch. Viele normale Beziehungen sind streng genommen sogar femDom/maleSub Beziehungen. Die Frau entscheidet, was Mann anzieht, kauft seine Kleidung, bestimmt was es zu essen gibt, welche Möbel gekauft werden und mindestens die Farbe des Autos. Der Mann gibt also die Verantwortung über Bereiche seines Lebens an seine Partnerin ab, wenn auch meistens weniger wegen einer devoten Neigung, sondern zur Sicherstellung des Hausfriedens, aber doch um sich von dieser Verantwortung zu befreien und seine Kraft für amdere Aufgaben zu sparen.


BDSM muss also nicht zwingend etwas mit Sex zu tun haben.
Wie z. B. bei der Spielart Dom Daddy Little Girl/Dom Mummy Little Boy oder auch gleichgeschlechtliche Kombinationen. Hierbei „spielt“ der/die Little die Rolle eines Minderjährigen, was sogar bis zum Babyalter mit Fläschchen, Brustgeben und Windeln gehen kann. Je jünger Little spielt, desto seltener hat diese Form der Beziehung einen sexuellen Aspekt.

BDSM macht also nicht aus, wie pervers man im Bett ist.    Haben sie schon mal ihrem Partner beim Sex die Augen verbunden, gar gefesselt oder mit der flachen Hand auf seinen Po gehauen? Willkommen in der Welt des BDSM! Nein, keine Angst, das macht sie noch nicht pervers.

Gibt es Regeln?

Da muss man unterscheiden zwischen Basics und Absprachen

Die Basics sind

  • Einvernehmlichkeit
  • Vertrauen
  • Sicherheit
Am besten ist die Einvernehmlichkeit sicherzustellen, wenn der/die Sub die Grenzen festlegt. Dabei sollte man unterscheiden zwischen Tabus (NoGo´s) und Grenzen. Tabus ist selbsterklärend. Grenzen sind die Handlungen, wo Sub zum Zeitpunkt der Absprachen meint, diese nicht überschreiten zu können – zB sich nicht ohne Unterwäsche anderen Menschen zu zeigen. Der Dominante wird versuchen, diese Grenze zu überschreiten. Allerdings in vorsichtigen Schritten und Sub muss dabei immer die Option haben, den Versuch zu beenden – z.B. durch ein Safewort. Dieses Zeichen muss immer sofort die Handlung beenden – so ärgerlich es für die dominaten Person auch ist. Denn die meisten Handlungen im Bereich BDSM sind nur ohne psychische Schäden zu überstehen, wenn man der Person, der man Macht über sich gibt, absolut vertraut. Aufgabe des Dom ist daher, sein*e Sub vor Verletzungen zu beschützen und dass die Grenzen, und vor allem Tabus, von niemanden gegen den Willen des Sub überschritten werden.

Alle anderen Regeln legen die Partner untereinander fest

Dazu gehört, wann der »Spielmodus« an und wann aus ist. Ob es nur beim Sex gilt, wenn man zu zweit ist, bis hin zu 24/7. Beliebt ist auch ein verabredetes Zeichen wie dem Anlegen eines Halsbands.
Aber auch was Verboten ist.

Gibt es Zeichen und Symbole, an denen man erkennt, ob jemand BDSM praktiziert?

Ja.
Global ist es die Triskele. Allerdings wird dieses Symbol auch in der Gothic Szene getragen und ist somit eher ein Indiz, als ein Verdacht. Dort wird es allerdings meistens an einer Kette um den Hals getragen.
Im deutschsprachigen Raum ist der Ring der O. üblich.
Bilder für beide Symbole findet man auf der Startseite.

Auch gibt die Trageweise einen Hinweis, welche Rolle der Träger im BDSM ausfüllt.
Abgeleitet ist dieses aus dem in San Francisco entstandenen Hanky Code.
Weil damals homosexuelle Handlungen illegal waren, gaben sich Schwule mit Taschentüchern Zeichen,welche Neigungen sie hatten. Dabei trug der Penetrierende das Taschentuch in der linken und der Penetrierte in der rechten Tasche.
Im BDSM trägt deshalb der Dominate den Ring oder die Triskele an der linken Hand und der devote an der rechten, oder als Halsreif. Switcher tragen den Ring an einer Kette um den Hals.